„Ich will mir vorstellen, unter welchen neuen Merkmalen der Despotismus in der Welt auftreten könnte: Ich erblicke eine Menge einander ähnlicher und gleichgestellter Menschen, die sich rastlos im Kreise drehen, um sich kleine und gewöhnliche Vergnügungen zu verschaffen, die ihr Gemüt ausfüllen. Jeder steht in seiner Vereinzelung dem Schicksal aller andern fremd gegenüber: Seine Kinder und seine persönlichen Freunde verkörpern für ihn das ganze Menschengeschlecht; was die übrigen Mitbürger angeht, so steht er neben ihnen, aber er sieht sie nicht; er berührt sie, und er fühlt sie nicht; er ist nur in sich und für sich allein vorhanden, und bleibt ihm noch eine Familie, so kann man zumindest sagen, dass er kein Vaterland mehr hat. Über diesen erhebt sich eine gewaltige bevormundende Macht, die allein dafür sorgt, ihre Genüsse zu sichern und ihr Schicksal zu überwachen. Sie ist unumschränkt, ins Einzelne gehend, regelmäßig, vorsorglich und mild. Sie wäre der väterlichen Gewalt gleich, wenn sie wie diese das Ziel verfolgte, die Menschen auf das reife Alter vorzubereiten; statt dessen aber sucht sie bloß, sie unwiderruflich im Zustand der Kindheit festzuhalten; es ist ihr recht, dass die Bürger sich vergnügen, vorausgesetzt, dass sie nichts anderes im Sinne haben, als sich zu belustigen. Sie arbeitet gerne für deren Wohl; sie will aber dessen alleiniger Betreuer und einziger Richter sein; sie sorgt für ihre Sicherheit, ermisst und sichert ihren Bedarf, erleichtert ihre Vergnügungen, führt ihre wichtigsten Geschäfte, lenkt ihre Industrie, ordnet ihre Erbschaften, teilt ihren Nachlass; könnte sie ihnen nicht auch die Sorge des Nachdenkens und die Mühe des Lebens ganz abnehmen?“

Democracy in America

Letzte Aktualisierung 23. Juni 2021. Geschichte

Ähnliche Zitate

Daniel Sanders Foto

„Nichts steht allein, das Einzelne // Schließt ewig an das Ganze sich.“

—  Daniel Sanders Lexikograf und Autor 1819 - 1897

Aus den besten Lebensstunden: Einsamkeit

Herbert Wehner Foto
Olaf Scholz Foto

„Wir Sozialdemokraten verkörpern die Perspektive, dass diese Bürger kein unabänderliches Schicksal haben. Viele von uns kommen aus kleinen sozialen Verhältnissen und haben sich durchgeboxt.“

—  Olaf Scholz deutscher Politiker (SPD) 1958

auf die Frage, ob die SPD sozial benachteiligte Büger noch erreiche, Stern Nr. 31/2008 vom 24. Juli 2008, S. 69

Angela Merkel Foto

„Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein.“

—  Angela Merkel deutsche Bundeskanzlerin 1954

Spiegel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/merkel-und-steinbrueck-im-wortlaut-die-spareinlagen-sind-sicher-a-582305.html am 5. Oktober 2008
2008

Thomas Morus Foto

„Sorgt, dass nicht so viele vom Müßiggang leben!“

—  Thomas Morus, buch Utopia

Utopia. a.a.O., S. 31.
engl.: "leave fewer occasions to idleness."

Hunter S. Thompson Foto
Elton John Foto
Thomas Bernhard Foto
John Locke Foto
Joseph Roth Foto
Jonathan Stroud Foto
Citát „Die Liebe ist unser wahres Schicksal. Wir finden den Sinn des Lebens nicht allein, wir finden ihn miteinander.“
Thomas Merton Foto
Johann Wolfgang von Goethe Foto

„Für Sorgen sorgt das liebe Leben // Und Sorgenbrecher sind die Reben.“

—  Johann Wolfgang von Goethe deutscher Dichter und Dramatiker 1749 - 1832

Westöstlicher Divan – Saki Nameh: Das Schenkenbuch – Trunken müssen wir alle sein
Gedichte, West-östlicher Divan (1819/1827)

Carlos Ruiz Zafón Foto
Henrik Ibsen Foto

„Der ist der stärkste Mann auf der Welt, der allein steht.“

—  Henrik Ibsen, Ein Volksfeind

Ein Volksfeind, 5. Akt. Aus: Sämmtliche Werke. Hrsg. von Julius Elias, Paul Schlenther. 4. Band. Berlin: Fischer, 1907. S. 298.
"Saken er den, ser I, at den sterkeste mann i verden, det er han som står mest alene." - Samlede værker: bd. Et dukkehjem. Gengangere. En folkefiende. Vildanden. Rosmersholm. 1907, p. 223 books.google https://books.google.de/books?id=kb41K_a9lXIC&q=%22mest+alene%22

Euripidés Foto

„Wie dem Adler der Himmel offen steht, so ist dem tüchtigen Mann die ganze Welt das Vaterland.“

—  Euripidés klassischer griechischer Dichter -480 - -406 v.Chr

Fragmente

Eduardo Mendoza Garriga Foto
Claudia Kemfert Foto

„Es ist ein Fehlglaube, anzunehmen, dass mehr Wettbewerb immer für niedrige Preise sorgt.“

—  Claudia Kemfert deutsche Ökonomin 1968

"Mehr Wettbewerb, bitte". in: Euro am Sonntag, 3. Februar 2008. finanzen.net http://www.finanzen.net/eurams/essay/Essay_Der_Strommarkt_braucht_mehr_Wettbewerb_669837

Katherine Mansfield Foto

Ähnliche Themen