„Die großartigste Fähigkeit des menschlichen Geistes ist vielleicht die, mit Schmerzen fertig zu werden. Die klassische Philosophie spricht hier von den vier Pforten des Geistes, die man durchschreiten kann.
Die erste Pforte ist die des Schlafs. Der Schlaf beitet uns Zuflucht vor der Welt und all ihrem Leid. Im Schlaf vergeht die Zeit, und das verschafft uns Abstand zu den Dingen, die uns Schmerz zugefügt haben. Wenn Menschen Verletzungen erleiden, werden sie oft bewusstlos, und jemand, der eine furchtbare Nachricht erhält, fällt vielleicht in Ohnmacht. Der Geist schützt sich also vor dem Schmerz, indem er diese erste Pforte durchschreitet.
Die zweite Pforte ist die des Vergessens. Manche Wunden sind zu tief, um wieder verheilen zu können, oder zumindest zu tief für eine schnelle Heilung. Hinzu kommt, dass manche Erinnerungen ausschließlich schmerzlich sind und sich da nicht heilen lässt. Das Sprichwort "Die Zeit heilt alle Wunden" entspricht nicht der Wahrheit. Die Zeit heilt die meisten Wunden. Die übrigen sind hinter dieser Pforte verborgen.
Die dritte Pforte ist die des Wahnsinns. Manchmal erhält der Geist einen so verheerenden Schlag, dass er sich in den Wahnsinn flüchtet. Das ist nützlicher, als es zunächst scheint. Manchmal besteht die Wirklichkeit nur noch aus Schmerz, und um diesem Schmerz zu entrinnen, muss der Geist die Wirklichkeit hinter sich lassen.
Die vierte und letzte Pforte ist die des Todes. Der letzte Ausweg. Wenn wir erst einmal tot wären, könne uns nichts mehr etwas anhaben - heißt es jedenfalls.“

—  Patrick Rothfuss, The Name of the Wind
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„Wäre kein Schmerz in der Welt, so würde der Tod alles aufreiben. Wenn mich eine Wunde nicht schmerzte, würde ich sie nicht heilen, und daran würde ich sterben.“

—  Ewald Christian von Kleist preußischer Dichter und Offizier 1715 - 1759
Gedanken über verschiedene Gegenstände. Aus: Werke. 2. Theil. Hrsg. von Wilhelm Körte. Berlin: Unger, 1803. S. 241f. Google Books

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„Der Geist empfängt mit Schmerzen, aber er gebiert mit Entzücken.“

—  Joseph Joubert französischer Moralist und Essayist 1754 - 1824
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„Die Wunden des Geistes heilen, ohne dass Narben bleiben.“

—  John O'Donohue irischer Philosoph 1956 - 2008
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„Die Zeit heilt alle Wunden.“

—  Voltaire Autor der französischen und europäischen Aufklärung 1694 - 1778
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„Am tiefsten schmerzen Wunden, uns geschlagen // Von Feinden, die der Freundschaft Larve tragen.“

—  Friedrich Von Bodenstedt deutscher Schriftsteller 1819 - 1892
Aus Morgenland und Abendland: Neue Gedichte und Sprüche. Veröffentlicht von F. A. Brockhaus, 1882.

Citát „Die Zeit heilt nicht alle Wunden, sie lehrt uns nur, mit dem Unbegreiflichen zu leben.“
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„Was ihr den Geist der Zeiten heißt, // Das ist im Grund der Herren eigner Geist, // In dem die Zeiten sich bespiegeln.“

—  Johann Wolfgang von Goethe deutscher Dichter und Dramatiker 1749 - 1832
Faust I, Vers 577 ff. / Faust -> Zitat im Textumfeld

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„Die Zeit heilt nicht alle Wunden, man lernt mit der Zeit nur, besser zu verdrängen, was einem weh getan hat.“

—  Cosma Shiva Hagen deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin 1981
Brigitte Nr. 18/2008 vom 13. August 2008, S. 75

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„Die Edelsten leiden den meisten Schmerz. Auch der Schmerz wählt den besten Boden.“

—  Friedrich Hebbel deutscher Dramatiker und Lyriker 1813 - 1863
Tagebücher 2, 2082 (1840). S. 58.

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