„Die Wüste ist die Landschaft der Offenbarung. Sie ist uns sowohl genetisch als auch physiologisch fremd, sie ist karg, ästhetisch abstrakt und seit jeher feindseliges Gebiet… In Form und Gestalt ist sie kühn und von erregender Wirkung auf die Phantasie. Die Sinne werden von Licht- und Raumeindrücken überwältigt, von dem kinästhetischen Novum der Leblosigkeit, den hohen Temperaturen und dem Wind. Der Wüstenhimmel ist allumfassend, majestätisch und grauenerregend zugleich. In allen anderen Lebensräumen ist der blaue Rand über dem Horizont stets durchbrochen oder verschleiert; hier dagegen zeigt er sich in seiner ganzen unermesslichen Weite, unendlich viel weiter als in hügeligen Landschaften und bewaldeten Regionen… In einem unverstellten Himmel wirken die Wolken mächtiger, plastischer, so als spiegele sich an ihrer konkaven Unterseite die Rundung des Erdballs selbst. Die kantige Klarheit der Wüste verleiht den Wolken ebenso wie der Landschaft das Antlitz einer monumentalen Architektur…
Propheten und Eremiten ziehen in die Wüste, Pilger und Verbannte ziehen durch sie. Hier haben die Gründer der großen Religionen ihr therapeutisches und spirituelles Refugium gesucht, nicht als Zuflucht vor der Wirklichkeit, sondern, im Gegenteil, um sie zu finden.“

—  Paul Shepard, Man in the Landscape: A Historic View of the Esthetics of Nature
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„Diese ganze Landschaft ist nirgendwo.“

—  Fernando Pessoa portugiesischer Dichter und Schriftsteller 1888 - 1935
Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares (478)

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„Wolken ohne Schatten, // Auf der Südseite aber, // Ist ein Stückchen Himmel // Traurig blau.“

—  Fernando Pessoa portugiesischer Dichter und Schriftsteller 1888 - 1935
aus As nuvens são sombrias …, Übersetzung: Nino Barbieri

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„Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden“

—  Tacitus römischer Historiker und Senator 58 - 120
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„Jeder für sich in dieser Wüste des Egoismus, die man Leben nennt.“

—  Stendhal französischer Schriftsteller im 19. Jahrhundert 1783 - 1842
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„Wenn ich etwas an Christus verstehe, so ist es das: »Und er entwich vor ihnen in die Wüste«.“

—  Christian Morgenstern deutscher Dichter und Schriftsteller 1871 - 1914
In me ipsum 1906. In: Stufen (1922), S. 25

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„Landschaft ist die Welt exclusiv! Und wie alles Exclusive heil, ganz, total und überwältigend.“

—  Horst Janssen deutscher Zeichner und Grafiker 1929 - 1995
Landschaften. Verlag St. Gertrude GmbH, 1989, 2. Auflage 1993, ISBN 3-923 848-24-2, ohne Seitenangaben [S. 6]

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„Die Erinnerung ist eine Fata Morgana in der Wüste des Vergessens.“

—  Gerhard Roth österreichischer Schriftsteller und Drehbuchautor 1942
Das Alphabeth der Zeit. S. Fischer Verlag Frankfurt am Main, 2007 ISBN 978-3-10-066060-2. S. 5. Siehe auch die Rezension in: Glanz und Elend – Magazin für Literatur und Zeitkritik

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„Wenn die Gerechtigkeit all ihre Strenge anwendete, würde die Erde bald eine Wüste sein.“

—  Pietro Metastasio italienischer Librettist, Textdichter und Autor 1698 - 1782
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