„Ich wußte, warum ich die Beamtin im Arbeitsamt Dutzende von Karteikarten aus dem Karteikasten herausnehmen hatte lassen, ich wollte in die entgegengesetzte Richtung, diesen Begriff in die entgegengesetzte Richtung hatte ich mir auf dem Weg in das Arbeitsamt immer wieder vorgesagt, immer wieder in die entgegengesetzte Richtung, die Beamtin verstand nicht, wenn ich sagte, in die entgegengesetzte Richtung, denn ich hatte ihr einmal gesagt, ich will in die entgegengesetzte Richtung, sie betrachtete mich wahrscheinlich als verrückt, denn ich hatte tatsächlich mehrere Male zu ihr in die entgegengesetzte Richtung gesagt, wie, dachte ich, kann sie mich auch verstehen, wo sie doch überhaupt nichts und nicht das geringste von mir weiß. Sie hatte mir, schon ganz verzweifelt über mich und über ihren Karteikasten, eine Reihe von Lehrstellen angeboten, aber diese Lehrstellen waren alle nicht in der entgegengesetzten Richtung gewesen, und ich mußte ihre Lehrstellenangebote ablehnen, ich wollte nicht nur in eine andere Richtung, ich wollte in die entgegengesetzte Richtung, ein Kompromiß war unmöglich geworden, so hatte die Beamtin immer wieder eine Karteikarte aus dem Karteikasten herauszuziehen gehabt, und ich hatte diese Karteikartenadresse abzulehnen gehabt, weil ich kompromißlos in die entgegengesetzte Richtung wollte, nicht nur in eine andere Richtung, nur in die entgegengesetzte. Die Beamtin hatte es so gut wie ihr möglich mit mir gemeint, und wahrscheinlich war sie von den ihr besten Adressen ausgegangen, sie betrachtete zum Beispiel eine Lehrstellenadresse in der Stadtmitte, also die Adresse eines der größten angesehensten Kleidergeschäfte mitten in der Stadt, als die allerbeste, und sie verstand ganz einfach nicht, daß mich nicht die allerbeste Adresse interessierte, sondern nur die entgegengesetzte, sie, die Beamtin, hatte mich ganz einfach gut unterbringen wollen, aber ich wollte ja gar nicht gut untergebracht sein, im Gegenteil, ich wollte in die entgegengesetzte Richtung, immer wieder hatte ich vorgebracht, in die entgegengesetzte Richtung, aber sie ließ sich dadurch nicht beirren, mir ihrerseits immer wieder eine sogenannte gute Adresse aus dem Karteikasten herauszuziehen, heute höre ich noch ihre Stimme Adressen sagen, die jeder in der Stadt kennt, die stadtbekanntesten und stadtberühmtesten Adressen, aber diese Adressen interessierten mich nicht, daß es sich um ein Geschäft handeln müsse, in das Menschen eintreten, sehr viele Menschen, hatte ich ihr sofort nach meinem Eintreten gesagt gehabt, aber ihr doch nicht erklären können, was ich meinte, wenn ich sagte, in die entgegengesetzte Richtung, ich hatte ihr erklärt, daß ich so viele Jahre durch die Reichenhaller Straße in die Stadt in das Gymnasium gegangen sei, jetzt wollte ich in die entgegengesetzte Richtung, gutmütig, wie sie gewesen war, entschlossen, wie ich, hatten wir über eine halbe Stunde das Karteikartenspiel gespielt, indem sie eine Karteikarte aus dem Karteikasten herauszog und eine Adresse nannte und ich die Adresse ablehnte; ich lehnte jede Adresse ab, weil keine dieser von ihr aus dem Karteikasten herausgezogenen Adressen jene gewesen war, die ich suchte, alle diese von mir abgelehnten Adressen, und damals hatte es, zum Unterschied von heute, Hunderte von offenen Handelslehrstellen in Salzburg gegeben, waren keine Adressen in der entgegengesetzten Richtung gewesen, die ich wünschte, die besten Adressen, die sich denken lassen, aber keine in der entgegengesetzten Richtung, bis die Adresse des Karl Podlaha in der Scherzhauserfeldsiedlung an der Reihe gewesen war.“

Der Keller: Eine Entziehung

Letzte Aktualisierung 23. Juni 2021. Geschichte

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„Das Christentum gab eine bestimmte Richtung unter Ausschließung aller anderen möglichen Richtungen.“

—  Carl Gustav Jung Schweizer Arzt und Psychoanalytiker 1875 - 1961

Gesammelte Werke, Band 6: Psychologische Typen. 17., vollständig überarbeitete Auflage. Solothurn ; Düsseldorf : Walter, 1994. S. 78 ISBN 3-530-40706-2

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„Fortschritt in eine Richtung kommt nicht ohne Aufhebung der Möglichkeit zum Fortschritt in eine andere Richtung zustande.“

—  Paul Feyerabend, buch Erkenntnis für freie Menschen

Erkenntnis für freie Menschen. Suhrkamp 1979, S.147 books.google https://books.google.de/books?id=c713AAAAMAAJ&q=richtung; edition suhrkamp 1980, S.172 books.google https://books.google.de/books?id=OMXGAAAAIAAJ&q=richtung

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„Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen.“

—  Michael Ende deutscher Schriftsteller 1929 - 1995

Zettelkasten. Skizzen und Notizen, Stuttgart: Weitbrecht Verlag, März 1994. S. 276. ISBN 352271380X

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„Der Freiheit zu denken ist erstlich der bürgerliche Zwang entgegengesetzt.“

—  Immanuel Kant deutschsprachiger Philosoph der Aufklärung 1724 - 1804

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Was heißt sich im Denken zu orientieren? (1786)

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„Es giebt unter den Menschen viele solcher Charaktere, in denen sich zwei entgegengesetzte Eigenschaften vereinigen.“

—  Johann Jakob Engel deutscher Schriftsteller und Literaturtheoretiker 1741 - 1802

Über Emilia Galotti. Aus: Schriften, Erster Band: Der Philosoph für die Welt. 1. Theil. Berlin: Myliussisch, 1801. S. 167.

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„Wir bewegen uns nach wie vor in die falsche Richtung.“

—  David Wallace-Wells US-amerikanischer Journalist und Schriftsteller

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„Hört man die Worte, ohne die Gedanken zu erfassen, so kann man gerade so gut die entgegengesetzten Worte hören, und es kommt auf dasselbe heraus.“

—  Lü Bu We chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph -291

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„Es gibt eine Richtung, aber es gibt kein Ziel.“

—  Carl R. Rogers US-amerikanischer Psychologe und Jugend-Psychotherapeut 1902 - 1987

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„Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

—  Allen Ginsberg US-amerikanischer Dichter 1926 - 1997

Als Titel einer Sammlung von Aphorismen Picabias in der Edition Nautilus 1995 (Übersetzung von Pierre Gallissaires und Hanna Mittelstädt)
"Notre tête est ronde pour permettre à la pensée de changer de direction" - In der Dada-Publikation La pomme de pins, St. Raphael 25 février 1922. Abbildung bei sothebys.com http://www.sothebys.com/fr/auctions/ecatalogue/lot.442.html/2016/bibliotheque-r-bl-dada-surrealisme-pf1623.

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„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

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„Das Pendel schlägt nicht zurück und ändert die Richtung, weil seine Richtung für falsch befunden worden ist, sondern die Uhr geht, weil das Pendel sich hin und zurück bewegt.“

—  Tania Blixen dänische Schriftstellerin 1885 - 1962

„Moderne Ehe und andere Betrachtungen“, Übersetzung Walter Boehlich, in: „Mottos meines Lebens“, Verlag: Rowohlt, ISBN 3-499-13190-0
(Dänisch: "Pendulet slaar ikke om og skifter Retning, fordi dets Retning er fundet at være forkert, men Uhret gaar, fordi Pendulet bevæger sig frem og tilbage." - „Moderne ægteskab og andre betragtninger“. Hier nach Caroline Carlsen, Frans Lasson: „Erindringer om Karen Blixen“ 1976, p.13 books.google https://books.google.de/books?id=7UbkAAAAMAAJ&q=pendulet; in neuer Rechtschreibung in: „Samlede essays“, Gyldendal 1985, p.8 books.google https://books.google.de/books?id=EDXkAAAAMAAJ&q=pendulet
Englisch: "The pendulum does not turn round and change direction because its direction is found to be the wrong one, but the clock works because the pendulum moves to and fro." - On Modern Marriage and Other Observations. Translated by Anne Born. Fourth Estate, 1987. p.34 books.google https://books.google.de/books?id=3cEiAQAAMAAJ&q=pendulum)

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