„Als ein Schriftgelehrter Jesus einmal fragte, […]was nach seiner Meinung das grüßte Gebot im Gesetz sei, sagte er, es sei die Liebe zu Gott. Das zweite Gebot, man solle seinen Nächsten genauso lieben wie sich selbst, sei jedoch dem ersten gleich. Offenbar ging er davon aus, dass jeder sich selbst liebt; Menschenkenntnis war nicht gerade seine Stärke. In dieser Hinsicht mußte man erst noch auf den Juden aus Wien warten. Wer sich selbst nicht liebte oder gar hasste, durfte also dem zweiten ‚Wort’ zufolge auch seine Mitmenschen hassen, man durfte morden, wenn man dann auch Selbstmord verübte wie Judas oder Hitler. Von der Hölle hatte Jesus offenbar keine Ahnung, aber das war eigentlich klar: schließlich war er ein Wesen, das Gott liebte wie sich selbst. Aber der Kern seiner Antwort lag im Ist-Gleich-Zeichen, das er zwischen die fünf Gebote auf der einen und die fünf auf der anderen Tafel setzte; eines Tages formulierte er sogar eine positive Version der Goldenen Regel: ‚Was Du willst, das man dir tu, das füge auch dem andern zu, denn das ist das Gesetz und die Propheten.“

—  Harry Mulisch, The Discovery of Heaven
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„Lieber der Erste hier als der Zweite in Rom!“

—  Plutarch griechischer Schriftsteller 46 - 127
Leben des Cäsar, 11

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„Die Agenda 2010 sind nicht die zehn Gebote, und niemand, der daran mitgearbeitet hat, sollte sich als Moses begreifen.“

—  Gerhard Schröder Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland 1944
am 15. Oktober 2007 in Berlin zu Bestrebungen, einzelne Punkte der Agenda wieder zu ändern. www. shz. de

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„Alles, was man über Abtreibung wissen muss, steht im 5. Gebot.“

—  Christoph Schönborn katholischer Erzbischof von Wien 1945
Neue Kronen Zeitung, 5. Februar 2007

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„Wo Menschlichkeit geboten ist, steh nicht zurück - selbst hinter deinem Lehrer.“

—  Konfuzius chinesischer Philosoph zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie -550 - -478 v.Chr
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„Mit List ludest Du mir die Gebote auf // die mir das Herz unbezwinglich machten“

—  William Shakespeare englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler 1564 - 1616
4. Akt, 1. Szene / Coriolanus

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„Das Gesetz ist etwas, in dem alle übereinstimmen, dessen Befolgung sich Weise und Toren gleich angelegen sein müssen.“

—  Lü Bu We chinesischer Kaufmann, Politiker und Philosoph -291
Frühling und Herbst des Lü Bu We, S. 444

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