„Wir sind im Wesentlichen noch dieselben Menschen, wie die des Zeitalters der Reformation: wie sollte es auch anders sein? Aber dass wir uns einige Mittel nicht mehr erlauben, um mit ihnen unsrer Meinung zum Siege zu verhelfen, das hebt uns gegen jene Zeit ab und beweist, dass wir einer höhern Cultur angehören. Wer jetzt noch, in der Art der Reformations-Menschen, Meinungen mit Verdächtigungen, mit Wuthausbrüchen bekämpft und niederwirft, verräth deutlich, dass er seine Gegner verbrannt haben würde, falls er in anderen Zeiten gelebt hätte, und dass er zu allen Mitteln der Inquisition seine Zuflucht genommen haben würde, wenn er als Gegner der Reformation gelebt hätte. Diese Inquisition war damals vernünftig, denn sie bedeutete nichts Anderes, als den allgemeinen Belagerungszustand, welcher über den ganzen Bereich der Kirche verhängt werden musste, und der, wie jeder Belagerungszustand, zu den äussersten Mitteln berechtigte, unter der Voraussetzung nämlich (welche wir jetzt nicht mehr mit jenen Menschen theilen), dass man die Wahrheit, in der Kirche, habe, und um jeden Preis mit jedem Opfer zum Heile der Menschheit bewahren müsse. Jetzt aber giebt man Niemandem so leicht mehr zu, dass er die Wahrheit habe: die strengen Methoden der Forschung haben genug Misstrauen und Vorsicht verbreitet, so dass Jeder, welcher gewaltthätig in Wort und Werk Meinungen vertritt, als ein Feind unserer jetzigen Cultur, mindestens als ein zurückgebliebener empfunden wird. In der That: das Pathos, dass man die Wahrheit habe, gilt jetzt sehr wenig im Verhältniss zu jenem freilich milderen und klanglosen Pathos des Wahrheit-Suchens, welches nicht müde wird, umzulernen und neu zu prüfen.“

Werbung

Ähnliche Zitate

Allen Ginsberg Foto
Christoph Schlingensief Foto

„Ich glaube, dass in der Anhäufung von Schwachsinn mehr Wahrheit liegt als in der Anhäufung von Wahrheit.“

—  Christoph Schlingensief deutscher Film- und Theaterregisseur, Hörspielautor und Aktionskünstler 1960 - 2010
Der Spiegel 11/1998 vom 9. März 1998, spiegel. de

Werbung
Citát „Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“
Regine Hildebrandt Foto

„Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

—  Regine Hildebrandt deutsche Biologin und Politikerin, MdV, MdL 1941 - 2001
In: Hildebrandt Jörg (Hrsg.), Regine Hildebrandt - Erinnern tut gut. Berlin, 2008, S. 116. ISBN 3351026668 (= Bibelzitat 1. Timotheus 2,4)

Friedrich Nietzsche Foto
Friedrich Nietzsche Foto
Søren Kierkegaard Foto

„Der Freiheit Inhalt, intellektuell gesehen, ist Wahrheit, und die Wahrheit macht den Menschen frei. Eben darum aber ist die Wahrheit ein Werk der Freiheit dergestalt, dass sie fort und fort die Wahrheit erzeugt.“

—  Søren Kierkegaard dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller 1813 - 1855
Der Begriff Angst, Werke I. In neuer Übertragung und mit Kommentar von Liselotte Richter, Rowohlt Klassiker/ RK 71

Niccolo Machiavelli Foto
Khaled Hosseini Foto
Werbung
Cato der Ältere Foto
Hannah Arendt Foto
Thomas von Aquin Foto

„Die größte Wohltat, die man einem Menschen erweisen kann, besteht darin, dass man ihn vom Irrtum zur Wahrheit führt.“

—  Thomas von Aquin dominikanischer Philosoph und Theologe 1225 - 1274
De divinis nominibus (Von den göttlichen Namen) cap. 13 l. 4

Andy Warhol Foto
Werbung
Walt Whitman Foto
Friedrich Nietzsche Foto
Robert B. Laughlin Foto

„Und was ist Wahrheit? Dass das Universum im Urknall entstanden ist?... Letztlich ist das nichts als Marketing.“

—  Robert B. Laughlin US-amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger 1950
Interview (Dezember 2007) in der Zeitschrift "Der Spiegel" Nr. 1/2008: Der Urknall ist nur Marketing

Ken Follett Foto