„In Bezug auf die bewusste, geduldige, überwältigend entworfene und ausgearbeitete Textur seines Werkes ist Bach das genaue Gegenteil Beethovens. Selbst in den späteren Kompositionen, die den direkten Einfluss von Bachs Kontrapunkt zeigen (die Fugen op. 106, 110 oder 130, die Missa solemnis und andere), ist Beethovens Stil dramatisch - er drängt mit Phrasen von unwiderstehlicher Energie vorwärts, erobert neues Gebiet und strebt weiter, statt zu konsolidieren und mit kreisender Bewegung stetig auszugreifen, wie es bei Bach der Fall ist. In jedem seiner Werke verwendet Beethoven für diesen Angriff - entweder in der Exposition, Durchführung oder Reprise - andere Ansätze, die häufig winzig und themenlos sind, kaum mehr als gebrochene Dreiklänge (wie im ersten Satz der Eroica) oder thematische Muster, aus wiederholten Tönen gebildet (der erste und zweite Satz der Siebten Sinfonie). Bach ist episch, Beethoven dramatisch. Ich finde so faszinierend an Bachs letzten Werken (der h-Moll-Messe, den Goldberg-Variationen, der Kunst der Fuge, dem Musikalischen Opfer), dass er, anders als Beethoven, dessen Werke aus der dritten Periode die Gattung sprengen und eine Reihe zerstörter, unvollendeter, fragmentarischer Formen zurücklassen, offenbar bestrebt ist, jede Nuance, jede Verflechtung, jede Harmonie und jeden Rhythmus in das Ganze einzubeziehen.“

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