Zitate von Denis Diderot

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Denis Diderot

Geburtstag: 5. Oktober 1713
Todesdatum: 31. Juli 1784

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Denis Diderot [dəni didʁo] war ein französischer Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Aufklärer, Kunstagent für die russische Zarin Katharina II. und einer der wichtigsten Organisatoren und Autoren der Encyclopédie.

Zusammen mit Jean-Baptiste le Rond d’Alembert war er Herausgeber der großen französischen Encyclopédie, zu der er selbst als Enzyklopädist etwa 6000 von insgesamt 72.000 Artikeln beitrug. Als Autor von Bühnenwerken hatte er großen Anteil am Entstehen des bürgerlichen Dramas. Seine Romane und Erzählungen – zumeist postum erschienen wie La Religieuse, Jacques le fataliste oder Le Neveu de Rameau – leisteten in verschiedener Weise ihren Beitrag zu den großen Themen der Zeit der Aufklärung, so zu den Fragen der Selbstbestimmung des Menschen, des Leib-Seele-Problems und des Gegensatzes von Determinismus und Willensfreiheit sowie zur Kritik an der Religion.

In seinen Werken wird eine deutliche Entwicklung von einer theistischen über eine deistische zu einer atheistischen Haltung erkennbar. Doch gibt es auch Hinweise darauf, dass seine materialistischen und atheistischen Vorstellungen schon in den frühen Werken, so z. B. in den Pensées philosophiques , kenntlich werden. Nachgerade lässt sich Diderots Einstellung die sich auf die Erfahrung individueller Sinneseindrücke oder Wahrnehmungen bezieht, in die Kategorie des Begriffs Sensualismus einordnen.

Diderot trat in seinen Spätwerken für die Popularisierung des Geistes der Aufklärung, des Atheismus und gegen den aus seiner Sicht verbreiteten Aberglauben und Bigotterie ein. Diderot und seine Mitstreiter, die philosophes, überließen in ihren Werken nicht mehr den religiösen Institutionen und verschiedensten Agenturen die alleinige Deutungs- und Interpretationshoheit über die Welt und die Wissenschaften. Somit gab es für den Glauben an übernatürliche und irrationale Kräfte im unter aufklärerischen Einfluss stehenden Europa sowie in Nord- und Südamerika weniger Raum.

Im Zentrum des diderotschen Denkens stand das Spannungsfeld – und dies mag auch für andere Denker des 18. Jahrhunderts gelten – zwischen Vernunft und Sensibilität, sens et sensibilité. Vernunft zeichnete sich für Diderot durch die Suche nach wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen und der Überprüfbarkeit der empirisch beobachteten und bewiesenen Fakten aus, ohne dabei in der rein quantitativen Erfassung der Wirklichkeit, in mathematischen Aussagen, verhaftet zu bleiben. In den Jahren 1754 bis 1765 entwickelte er die Lehre von der universellen Sensibilität, sensibilité universelle.

Für Diderot war Naturwissenschaft dadurch charakterisiert, dass sie nicht nach einem Warum fragen, sondern auf die Frage nach dem Wie eine Antwort finden solle. Er beschäftigte sich mit vielen Wissensgebieten, darunter Chemie, Physik, Mathematik, vor allem aber Naturgeschichte sowie Anatomie und Medizin.

Als philosophische Position erarbeitete er sich – so zu erkennen in seinen späteren Werken – eine materialistische Geisteshaltung. Obgleich Diderot kein Philosoph war, der sich mit „begründungstheoretischen“ Problemen oder systematisierenden, analytischen Reflexionen beschäftigte, zählt er zu den vielfältigsten und innovativsten philosophischen Autoren des 18. Jahrhunderts.

Diderot und seine Weggefährten waren mit ihren aufklärerischen Gedanken und Publikationen gegenüber den vorherrschenden Vorstellungen im Ancien Régime häufig Repressionen ausgesetzt. Seine Erfahrungen mit der Inhaftierung im Jahr 1749 ließen ihn gegenüber weiteren Kontrollen und Überwachungen durch die verschiedenen Agenturen aufmerksam sein, obwohl ihm und den Enzyklopädisten einige Personen aus dem Kreis der Einflussreichen und Herrschenden, so Mme de Pompadour, Mätresse von Ludwig XV., und auch einige Minister, aber vor allem der Chefzensor, Censure royale Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes, insgeheim zur Seite standen. So war den interessierten Zeitgenossen Diderots, die ihn ausschließlich über seine Publikationen kannten, nur eine begrenzte Auswahl an Essays, Romanen, Dramen zugänglich, wohl aber alle seine Beiträge zur Encyclopédie.

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Zitate Denis Diderot

„Man kann in Mohammed den größten Feind sehen, den die menschliche Vernunft je hatte.“

—  Denis Diderot
Histoire générale des dogmes et opinions philosophiques: Depuis les plus anciens temps jusqu'à nos jours. Tirée du Dictionnaire encyclopédique, des arts & des sciences, Band 3. London 1769. S. 128 Google Books Vgl. auch: Brief an Sophie Volland, 30. Okt. 1759 fr. wikisource. org

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„Die Historiker sind meistens das Gegenteil von einem kreißenden Berg: Handelt es sich auch nur um eine Maus, bringt doch ihre Feder einen Elefanten hervor.“

—  Denis Diderot
Boa. In: Artikel aus der von Diderot und D'Alembert herausgegebenen Enzyklopädie. Hrsg. von Manfred Naumann. Aus dem Französischen übersetzt von Theodor Lücke. 1. Auflage. Leipzig: Reclam, 1972. S. 167

„Die Philosophie schweigt, wo im Gesetz kein Sinn und Verstand ist.“

—  Denis Diderot
Unterhaltung eines Vaters mit seinen Kindern oder Von der Gefahr, sich über die Gesetze hinwegzusetzen, 1770

„He does not confound it with probability; he takes for true what is true, for false what is false, for doubtful what is doubtful, and probable what is only probable. He does more, and here you have a great perfection of the philosopher: when he has no reason by which to judge, he knows how to live in suspension of judgment...
The philosophical spirit is, then, a spirit of observation and exactness, which relates everything to true principles...“

—  Denis Diderot
Context: Reason is to the philosopher what grace is to the Christian. Grace causes the Christian to act, reason the philosopher. Other men are carried away by their passions, their actions not being preceded by reflection: these are the men who walk in darkness. On the other hand, the philosopher, even in his passions, acts only after reflection; he walks in the dark, but by a torch. The philosopher forms his principles from an infinity of particular observations. Most people adopt principles without thinking of the observations that have produced them, they believe the maxims exist, so to speak, by themselves. But the philosopher takes maxims from their source; he examines their origin; he knows their proper value, and he makes use of them only in so far as they suit him. Truth is not for the philosopher a mistress who corrupts his imagination and whom he believes to be found everywhere; he contents himself with being able to unravel it where he can perceive it. He does not confound it with probability; he takes for true what is true, for false what is false, for doubtful what is doubtful, and probable what is only probable. He does more, and here you have a great perfection of the philosopher: when he has no reason by which to judge, he knows how to live in suspension of judgment... The philosophical spirit is, then, a spirit of observation and exactness, which relates everything to true principles... Article on Philosophy, Vol. 25, p. 667, as quoted in Main Currents of Western Thought : Readings in Western European Intellectual History from the Middle Ages to the Present (1978) by Franklin Le Van Baumer Variant translation: Reason is to the philosopher what grace is to the Christian. Grace moves the Christian to act, reason moves the philosopher. Other men walk in darkness; the philosopher, who has the same passions, acts only after reflection; he walks through the night, but it is preceded by a torch. The philosopher forms his principles on an infinity of particular observations. … He does not confuse truth with plausibility; he takes for truth what is true, for forgery what is false, for doubtful what is doubtful, and probable what is probable. … The philosophical spirit is thus a spirit of observation and accuracy.

„There are three principal means of acquiring knowledge available to us: observation of nature, reflection, and experimentation.“

—  Denis Diderot
Context: There are three principal means of acquiring knowledge available to us: observation of nature, reflection, and experimentation. Observation collects facts; reflection combines them; experimentation verifies the result of that combination. Our observation of nature must be diligent, our reflection profound, and our experiments exact. We rarely see these three means combined; and for this reason, creative geniuses are not common. No. 15

„In any country where talent and virtue produce no advancement, money will be the national god. Its inhabitants will either have to possess money or make others believe that they do. Wealth will be the highest virtue, poverty the greatest vice.“

—  Denis Diderot
Context: In any country where talent and virtue produce no advancement, money will be the national god. Its inhabitants will either have to possess money or make others believe that they do. Wealth will be the highest virtue, poverty the greatest vice. Those who have money will display it in every imaginable way. If their ostentation does not exceed their fortune, all will be well. But if their ostentation does exceed their fortune they will ruin themselves. In such a country, the greatest fortunes will vanish in the twinkling of an eye. Those who don't have money will ruin themselves with vain efforts to conceal their poverty. That is one kind of affluence: the outward sign of wealth for a small number, the mask of poverty for the majority, and a source of corruption for all.

„Man was born to live with his fellow human beings.“

—  Denis Diderot
Context: Man was born to live with his fellow human beings. Separate him, isolate him, his character will go bad, a thousand ridiculous affects will invade his heart, extravagant thoughts will germinate in his brain, like thorns in an uncultivated land. The character Suzanne Simon, in La Religieuse [The Nun] (1796)

„The philosopher forms his principles from an infinity of particular observations.“

—  Denis Diderot
Context: Reason is to the philosopher what grace is to the Christian. Grace causes the Christian to act, reason the philosopher. Other men are carried away by their passions, their actions not being preceded by reflection: these are the men who walk in darkness. On the other hand, the philosopher, even in his passions, acts only after reflection; he walks in the dark, but by a torch. The philosopher forms his principles from an infinity of particular observations. Most people adopt principles without thinking of the observations that have produced them, they believe the maxims exist, so to speak, by themselves. But the philosopher takes maxims from their source; he examines their origin; he knows their proper value, and he makes use of them only in so far as they suit him. Truth is not for the philosopher a mistress who corrupts his imagination and whom he believes to be found everywhere; he contents himself with being able to unravel it where he can perceive it. He does not confound it with probability; he takes for true what is true, for false what is false, for doubtful what is doubtful, and probable what is only probable. He does more, and here you have a great perfection of the philosopher: when he has no reason by which to judge, he knows how to live in suspension of judgment... The philosophical spirit is, then, a spirit of observation and exactness, which relates everything to true principles... Article on Philosophy, Vol. 25, p. 667, as quoted in Main Currents of Western Thought : Readings in Western European Intellectual History from the Middle Ages to the Present (1978) by Franklin Le Van Baumer Variant translation: Reason is to the philosopher what grace is to the Christian. Grace moves the Christian to act, reason moves the philosopher. Other men walk in darkness; the philosopher, who has the same passions, acts only after reflection; he walks through the night, but it is preceded by a torch. The philosopher forms his principles on an infinity of particular observations. … He does not confuse truth with plausibility; he takes for truth what is true, for forgery what is false, for doubtful what is doubtful, and probable what is probable. … The philosophical spirit is thus a spirit of observation and accuracy.

„What is this world? A complex whole, subject to endless revolutions.“

—  Denis Diderot
Context: What is this world? A complex whole, subject to endless revolutions. All these revolutions show a continual tendency to destruction; a swift succession of beings who follow one another, press forward, and vanish; a fleeting symmetry; the order of a moment. I reproached you just now with estimating the perfection of things by your own capacity; and I might accuse you here of measuring its duration by the length of your own days. You judge of the continuous existence of the world, as an ephemeral insect might judge of yours. The world is eternal for you, as you are eternal to the being that lives but for one instant. Yet the insect is the more reasonable of the two. For what a prodigious succession of ephemeral generations attests your eternity! What an immeasurable tradition! Yet shall we all pass away, without the possibility of assigning either the real extension that we filled in space, or the precise time that we shall have endured. Time, matter, space — all, it may be, are no more than a point. Dying words of Nicholas Saunderson as portrayed in Lettre sur les aveugles [Letter on the Blind] (1749) Variant translation: What is this world of ours? A complex entity subject to sudden changes which all indicate a tendency to destruction; a swift succession of beings which follow one another, assert themselves and disappear; a fleeting symmetry; a momentary order.

„The arbitrary rule of a just and enlightened prince is always bad.“

—  Denis Diderot
Context: The arbitrary rule of a just and enlightened prince is always bad. His virtues are the most dangerous and the surest form of seduction: they lull a people imperceptibly into the habit of loving, respecting, and serving his successor, whoever that successor may be, no matter how wicked or stupid. "Refutation of Helvétius" (written 1773-76, published 1875)

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