Zitate von Martinus von Biberach

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Martinus von Biberach

Todesdatum: 1498

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Magister Martinus von Biberach wird ein vierzeiliger Spruch auf einem Deckel eines handschriftlichen Buches zugeschrieben , der aber weitaus älter als die beigegebene Jahreszahl ist. Über das Leben des Magisters Martinus ist nichts bekannt. Was später irrig als dessen „Grabschrift“ gedeutet wurde, ist ein Priamel, das in der christlichen Frömmigkeit populär wurde und auch in der Literatur bis heute seinen Niederschlag findet:

Ich leb und waiß nit wie lang,

ich stirb und waiß nit wann,

ich far und waiß nit wahin,

mich wundert das ich [so] frölich bin.

Die Urheberschaft des Martinus von Biberach an dem Spruch kann mittlerweile als widerlegt gelten, allerdings ist die Zuschreibung an Walther von der Vogelweide in Konrad Bollstatters „Spruchsammlung“ , der bisher ältesten Überlieferungsquelle, ebenso unzutreffend. Varianten finden sich in einigen Handschriften des späten 15. Jahrhunderts.

Der Spruch gilt auch als der „Leibspruch“ Kaiser Maximilians I. An einer der getäfelten Wände von Schloss Tratzberg liest man unter anderen Kreideinschriften auch in kalligraphischen Schnörkeln: Leb, waiß nit wie lang und stürb, waiß nit wann mueß faren, waiß nit wohin mich wundert, das ich so frelich bin.

Nach einer alten Chronik war der erweiterte Text Bestandteil eines 1688 zerstörten Deckengemäldes in der ehemaligen Franziskanerkirche zu Heilbronn: Ich leb und weiß nicht wie lang / ich sterb und weiß nicht wan / ich fahr und weiß nicht wahin / mich nimmt wunder daß ich so frelich bin / wan ich bedenk den dot und di ewige pein / so mecht ich nicht so frelich sein.

Martin Luther kannte den Spruch und lehnte ihn als „Reim der Gottlosen“ ab, da die Lebenssituation der Christen genau umgekehrt sei: sie wüssten, woher und wohin sie kämen, nämlich von und zu Gott, erschreckten aber trotzdem ein wenig vor dem Tod, da sie ja wie alle „Adamskinder“ sterben und den Tod leiden müssten. Dies führte Luther in einer Predigt zum Sonntag Judica über Joh 8,46-59 aus, in der er auch sein eigenes Gegengedicht zum Spruch vortrug: Ich lebe, so lang Gott will, / ich sterbe, wann und wie Gott will, / ich fahr und weiß gewiß, wohin, / mich wundert, daß ich traurig bin!

Der Maler Hans Thoma erweiterte die ursprüngliche Fassung: Ich komm’, weiß nit woher / ich bin, und weiß nit wer / ich leb’, weiß nit wie lang / ich sterb’ und weiß nit wann / ich fahr’, weiß nit wohin / Mich wundert’s, daß ich fröhlich bin. // Da mir mein Sein so unbekannt / geb' ich es ganz in Gottes Hand / die führt es wohl, so her wie hin / Mich wundert's, wenn ich noch traurig bin . Diese zwei Strophen werden bis heute in christlicher Erbauungsliteratur nachgedruckt.

Der Schriftsteller Johannes Mario Simmel verfasste 1949 einen Roman unter dem Titel „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“. In einem Interview gab er an, den Spruch an einer deutschen Klostermauer gelesen zu haben. Der Karikaturist F. K. Waechter veröffentlichte 1991 einen Sammelband unter dem Titel „Mich wundert, dass ich fröhlich bin“.

Zitate Martinus von Biberach

„Ich leb und waiß nit, wie lang, // ich stirb und waiß nit wann, // ich far und waiß nit wahin, // mich wundert, das ich frölich bin.“

— Martinus von Biberach
mit dem Zusatz "haec magister Martinus in Bibrach. 1498", als einer von zwei 'Dreisprüche[n], von Buchdeckeln abgeschrieben' veröffentlicht von Franz Josef Mone im Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit, 4. Jahrgang 1835, Sp. 207, UB Düsseldorf. Vgl. Reinhold Köhler, Mich wundert, daß ich fröhlich bin, in: Germania - Vierteljahrsschrift für deutsche Alterthumskunde, 33. Jahrgang, Wien 1888. S. 313-332, Internet Archive.

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