„Die Reduktion des Bauernstandes ist der spürbarste Ausdruck dafür, daß der angestammte Nomos, die eingesessene Rasse aufs Spiel gesetzt werden. Jede räumliche Ausdehnung zehrt an ihr, wie das im Lauf der römischen Geschichte Zug um Zug zu verfolgen ist.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß die Frage der Abwälzung der Sklavenarbeit auf technische Art gelöst werden wird, und zwar quantitativ durch die Entwicklung von Robotern und Automaten, qualitativ durch eine Verfeinerung und Verwandlung der Rohprodukte auf eine Weise, deren Ziel und Umfang noch kaum zu ahnen sind - das muß als eine der möglichen Leistungen unter vielen begriffen werden, doch nicht als Absicht, sondern als eines der Mittel der sich bildenden Welt. Es zählt zum Eingebrachten, zur Mitgift der Gestalt des Arbeiters. Das Ziel der Technik ist Erdvergeistigung.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Hier stellt sich die Zwischenfrage, auf wen denn im Falle des Weltstaates die grobe Arbeit abzuwälzen sei? In ihm kann es seiner Natur nach weder Kolonien noch Ausbeutung ~ eroberter Kornkammern noch den Unterschied zwischen »weißer« und »farbiger« Arbeit geben - all jenen Gewinn, den seit der Antike hochentwickelte Staaten dank ihrer technischen, militärischen und politischen Überlegenheit aus den Ernten und Produkten eroberter Gebiete ziehen: Vorteile aus schlecht - oder unbezahlter Arbeit mit einem Wort. In dieser Frage begegnen sich politische und moralische, technische und wirtschaftliche Systeme; sie wird noch über den Rest des Jahrhunderts hinaus nicht nur die Geister, sondern auch den Willen beschäftigen. Als Modell der sich aus ihr entwickelnden Händel darf man den amerikanischen Sezessionskrieg betrachten - das macht sein Studium lehrreich, ja fast unumgänglich auf ähnliche Weise, wie das der Dreyfusaffäre unentbehrlich ist zur Beurteilung der Imponderabilien innerhalb der modernen Demokratie.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Der Hinweis auf den Bauern gab mir insofern zu denken, als er Spenglers System und dessen Grundzügen widersprach. Jedes - imp~rialistische Wollen muß sich wohl oder übel mit der Aufopferung des Bauernstandes abfinden. Weltmacht verwirklicht sich auf dessen Kosten, wie man es in Rom und England erfahren hat und heute nicht nur in Rußland erfährt, sondern, der Entwicklung zum Weltstaat gemäß, auch in den entferntesten Winkeln der Erde, in jedem Hof und jeder Eingeborenenhütte, an jedem Pflug und jedem Pferd.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Allerdings ist es vielleichter, einem denkenden Menschen einen neuen Gedanken mitzuteilen als die Ansicht eines Bildes, das überraschend erscheint. Er sieht dasselbe, doch nicht auf gleiche Art. Das gilt auch für Köpfe vom Range Oswald Spenglers, wie ich durch einen Brief vom 25. September 1932 erfuhr, der inzwischen in seiner Korrespondenz veröffentlicht worden ist. Er beurteilte darin den »Arbeiter« vom antimarxistischen, also von einem überholten, Standort aus, indem er sich speziell auf den Bauern und dessen Zukunft berief. Das war wohl mehr als eine Generationsfrage. Es ist ein Unterschied von Anbeginn, ob man Ideen oder Gestalten sieht. Dessen haben mich die dreißig J ahre, die seit dem Erscheinen des Buches verstrichen sind, zur Genüge belehrt.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Zunächst muß das Wort »Arbeiter« neu konzipiert, es muß in und hinter ihm die Mutation erkannt werden, die viele Begriffe und Einrichtungen des 19. Jahrhunderts erleiden - eine Verwandlung, die der Entfaltung der Imago aus der Puppe gleicht.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß Arbeits- und Freizeit, Produktion und Konsum sich immer weniger auf verschiedene Schichten verteilen, sondern von ein und demselben Typus getragen werden, ist eine Tatsache, der sich die Verwendung der Zeit und auch der Mittel allmählich, aber von Grund auf anpassen wird.4“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß Einzeldisziplinen direkt und unkontrolliert eingreifen, ist ein Zeichen dafür, daß sich das Zentrum der Aktion verschoben hat. Sie läßt sich daher auch mit den klassischen Mitteln nicht mehr einfangen.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Alle drängen sich, mit Sokrates auf der Bank der Spötter zu sitzen, doch werden die Reihen lichter, wenn es gilt, ihn wie Xenophon mit Schild und Schwert zu begleiten, und wenn gar der Becher gereicht wird, leert sich der Saal.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Geistige Freiheit wird nicht gewährt; sie ist vorhanden oder fehlt. Geistige Freiheit wird auch nicht gefordert, sondern sie wird bewiesen, und davon lebt die Welt. Nichts ist einfacher als dieser Nachweis, doch auch nichts schwieriger. Was jeder könnte, wer vermags?“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Wenn Overbeck sagte: »Nietzsche ist als Gelehrter gar nicht ernst zu nehmen, als Denker gar sehr«, so war das kritisch gemeint. Es ist aber das Beste, was man von einem Geist sagen kann, der sich nicht von den Texten, sondern aus der Quelle nährt. Entweder bleibt der Philosoph auf der Grundlinie des Denkens, von der auch die stärksten Entwicklungen der Wissenschaften nur Seitentriebe sind, oder er degradiert sich zum bloßen Handlanger von Banausen, zuletzt auch der politischen Freibeuter. Durch bloßes Wissen hält keiner stand.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Das Denken schafft ohne Zweifel Tatsachen; aber dann sind es Tatsachen, die zu denken geben und immer näher rücken, bis ihnen das Denken den Vortritt gibt. Es folgt den Ereignissen, zuletzt dem Tageslauf. So nehmen die Philosophen das Atom an, wie es ihnen von den Physikern geliefert wird. Schon Nietzsche überlegte, und zwar in einem ziemlich späten Abschnitt, ob er nicht noch zehn Jahr Naturwissenschaften studieren sollte – ohne Zweifel in einem schwachen Augenblick. Man zäumt das Pferd nicht am Schwanze auf.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Es mag als Verlust erscheinen, daß die geistige Souveränität vereinzelt wurde und daß, wenn man noch sagen will, daß Denken die Welt regiere, es doch ein sehr spezielles Denken geworden ist. Die Ausmünzung der Hegelschen Philosophie und die dominierende, ja schicksalhafte Bedeutung, die die exakten Naturwissenschaften gewonnen haben, sind Beispiele.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Man muß entweder eine Position ausbauen oder im Sprung eine neue erreichen; man kann Zeit gewinnen, indem man sie dehnt oder indem man sie komprimiert. Nach Clausewitz ist die Verteidigung die stärkere Form. Diese These gilt jedoch nur von Abschnitt zu Abschnitt, denn die absolute Zeit läuft weiter, und wohl oder übel muß jeder nach ihr die Uhr stellen.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Hierher der Heilsarmeestil der Generale, der Altetantenstil der Philosophen, der Sammethandschuhstil der Pädagogen in einer Welt der Gewalt, der Gehässigkeit, der unbarmherzigen Prüfungen – als genaue Entsprechung von Nichthandeln und Handeln oder von Furcht und Schrecken überhaupt. Dies aber sine ira et studio, letzthin mit Wohlwollen und ohne in Nietzsches Fehler zu verfallen, als Amoralist dreimal soviel zu moralisieren wie alle anderen. Vor dieser Flut, in dieser Wende handelt keiner ganz richtig und keiner ganz verkehrt. Viel wichtiger als nachzurechten ist nachzurechnen – wie Forschung der Wertung vorangeht, so topographisches Bemühen der Rechtsordnung.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Man sieht den einen, der dem tausendfachen Mörder kein Haar zu krümmen wagt, als Zeitgenossen des andern, dessen Gewissen der tausendfache Mord nicht trübt – und weiß dann, was die Stunde geschlagen hat.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Angesichts eines Versagens, das sich seit den Staufern so offensichtlich wiederholt, wäre zu fragen, ob hier nicht weniger Eigenschaften des Charakters als solche der Lage mitsprechen. So wirken die Gesetze der Waage in der Mitte anders als anden Rändern, und auch verborgener. Viel von dem, was hier geplant, entworfen, entdeckt, erfunden wurde, sah man an anderen Orten ausgeführt. Dem großen Haushalt kommt das hier wie dort zugut.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Nach jeder großen Niederlage meinen die Söhne, daß der Vater sie umsonst geopfert hat. Der Unmut der deutschen Jugend nach dem Ersten Weltkrieg gegen den »Bürger« erklärt sich indessen nicht aus der Situation allein. Mehr oder weniger deutlich wurde gesehen, daß nicht neue Konstellationen, sondern neue Prinzipien nottaten. Daß sie weder von der Rechten noch von der Linken verwirklicht wurden, gehört zum deutschen Schicksal und bestätigt die Erfahrung, daß hier seit jeher die großen Fragen in der Schwebe geblieben sind, wie Nietzsche uns das in heftigster Weise vorgeworfen hat.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Kant kam über die Bannmeile von Königsberg nicht hinaus. Schopenhauer wähnte die kantische Philosophie zuvollenden, indem er den Willen als das Ding an sich setzte. Daher rührt sein enormer Einfluß auf im klassischen Sinn atypische Geister wie Burckhardt, Huysmans, Nietzsche, Wagner und zahllose andere, die schon verschollen sind. Ihn zu zitieren, gehört heute in unserem geistigen Mezzanin zum schlechten Stil. Das bestätigt unter anderem einige seiner Aphorismen, wie jenen, daß alle Dummköpfe einig werden, sobald ein Mensch von überlegener Intelligenz auftaucht.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Der »Weltstaat« behandelt das Problem des Überganges der Gestalt des Arbeiters von planetarischer Macht zu planetarischer Ordnung – einer Konsolidierung, die sich mit Sicherheit voraussagen läßt. Sie wird das Zeitalter der kämpfenden Staaten abschließen.“ Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist