„Der echte Partner der Erde ist nicht der Verstand mit seinen titanischen Plänen, sondern der Geist als kosmische Macht. Bei allen Erwägungen des Zeitgeschehensspielt daher eine große Rolle die mehr oder minder ausgesprochene Hoffnung, daßhöhere Geisteskräfte die gewaltige Bewegung zügeln und sich ihrer wohltätigbemächtigen.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Die Erde hat aus ihrem Urgrund schon oftmals neue Gestalten hervorgebracht. Wenn sie sich dazu nun des Menschen als ihres klügsten Sohnes bedient, ist die Gefahr prometheischer Bildungen und ihres Schicksals groß. Sie wächst im götterleeren Raum, der zu den Voraussetzungen eines großen Gestaltwandelsgehört.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Wo der Verstand dem Urphänomen begegnet, stößt er auf Stärkeres. Hier muß er haltmachen; hier kann ihm ein Damaskus zuteil werden. Erst hier erfährt der Trieb, der ihn bewegte, die wahre Befriedigung. »Denn alle Lust will Ewigkeit.« Das gilt auch für das Wissen und seine Unersättlichkeit. Dort endet die faustische Welt.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß Nietzsche in dieser schwierigen Frage schon früh zwischen seinem Übermenschen und dem Staat als Ungeheuer unterschieden hat, spricht, wie gesagt, für die Schärfe seines prognostischen Blicks.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Wenn man den Staat als die Institution der Institutionen betrachtet, so braucht er deswegen nicht die machina machinarum zu sein. Die technische Entwicklung ist auf den Staat nicht angewiesen, vor allem, wenn sie von der Rüstung entlastet wird.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Der Widerspruch löst sich, wenn wir die Gebilde, die uns zur Zeit erstaunen und beunruhigen, als Verdichtung finaler Anstrengungen sehen. Im Augenblick, in dem die Erde als solche ihre Ordnung findet, muß sowohl die Bedeutung der Grenzen wie auch der Staaten dahinschwinden. Das Wesen des Staates wird vor allem dadurch bestimmt, daß es andere Staaten gibt. Das führt, besonders an den Grenzen, zu spiegelbildlichen Erscheinungen. Wenn wir die planetarische Ordnung den Weltstaat nennen, so ist das ein Name ohne Inhalt, denn es ist vorauszusehen, daß er mit den historischen Staaten wenig gemein haben wird.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Wir wiederholen das, weil es hinsichtlich der den Staat als die Institution der Institutionen betreffenden Prognosen wichtig ist. Wenn es nämlich zutrifft, daß der Urgrund sich aufwölbt, so müßte notwendig die Bedeutung des Staates, wie die jeder Heroengründung, im Verhältnis abnehmen. Augenscheinlich ist aber das Gegenteil der Fall.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß darüber hinaus der Nihilismus sich sehr wohl mit den entleerten und zu reinen Apparaturen gewordenen Institutionen verträgt, hat die jüngste Erfahrung gezeigt. Er kann dort freilich immer nur interimistisch auftreten – so lange, wieAbräumung zum Weltplan gehört. Ist diese vollzogen, so endet auch sein Auftrag – das wird besonders deutlich in jenen Fällen, in denen er sich als Letzten selbst aus dem Weg räumt und tabula rasa hinterläßt.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Ist der Umsturz gelungen, so folgt ihm eine kurze, aber bedeutende Spanne, in der alles möglich ist. Der Urgrund stellt sich als Chaos dar. Dieser Begegnung ist wohl der Anarchist gewachsen als Sohn der Erde und als Erdverehrer, nicht aber der Nihilist, dessen Trachten an der Institution haftet, die er… zu zerstören vermag, doch die ihn unter ihren Trümmern begräbt. Das ist der Unterschied zwischen dem Natürlichen und dem Verlorenen Sohn, zwischen Mutter- und Vaterkind.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Um das Nichts zu wollen, muß man zunächst nicht wollen. Das trifft nicht für unseren Nihilismus zu. Er will nicht das Nichts, er will ein Etwas nicht: die väterliche Macht.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Die Grenzen schwinden, und damit schmelzen sehr alte Sonderungen ein. Die Menschen werden sich ähnlicher, nicht nur im Weltstil des Denkens und Handelns, sondern auch im Habitus. Das Wort »Mensch« gewinnt eine Bedeutung, die ihm bisher nur in der Idee, im Kultus oder im Mythos zugeteilt werden konnte, auf unmittelbare, tatsächliche Art. Zugleich verliert es andere, historische Bedeutungen. Die dynamischen, auch die eruptiven, Vorgänge nehmen zu; die Strahlung dringt tief in den Kosmos ein. In der Raumfahrt wird die Beschleunigung astronomisch, die Erde zum Mutterschiff. Überhaupt wird die Erscheinung ambivalent in der Weise, daß statistische und dynamische Vorstellungen ununterscheidbar werden, wie das besonders in der Theorie des Lichtes sich vexierend ausdrückt – das entspricht der Situation an der Zeitmauer. Ein Wissen, das sich stündlich ändert, zeugt nicht für Fortschritt, sondern für Übergang.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Die vaterrechtlichen Bindungen müssen zugunsten der matriarchalen an Macht verlieren, und das schon deshalb, weil die Mutter von sich aus den Urgrund verkörpert, aus ihm gebiert. Entsprechend müssen der Heroenkult und die Bedeutung der geschichtlichen Person abnehmen. Titanische Kräfte nehmen zu; eines der Anzeichen dafür ist, daß der Techniker den Soldaten aus seiner Rolle drängt. Die Todesstrafe verliert ihre Begründung, während der Mord ohne Gründe gedeiht. Mächtige Mörder tauchen auf.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Daß beides den Vater gefährdet, leuchtet ein. Von hier aus erklärt sich, daß die personalen Götter auf dem Rückzug sind, und zwar nicht, wie oftmals, in Regionen, sondern auf dem Erdball überhaupt. Es erklärt sich, daß die wiederhergestellte Monarchie ein immer schlechteres augurium hat und daß demokratische Formen auf unabsehbare Zeit vorherrschen werden, vom Weltregiment bis hinab in die kleinsten Zellen, bis in die Familie. Es erklärt sich, daß die Gefahr der Nationalkriege sich verringern, die der Bürgerkriege und Rassenzwiste dagegen wachsen wird.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Der Materialismus wird von seinen Gegnern mit den Beinamen »flach« oder »platt« versehen. Das gilt auch für seine Oberfläche, seinen sichtbaren Teil, auf dem er als eine Kategorie des Rationalismus erscheint. Jedoch in der also erkannten und auch geglaubten Materie verbirgt sich mehr und anderes. Sie scheint notwendig flacher, wo sie »begründet« wird. Sie spricht durch Tatsachen, durch Wunder sogar. Der Verstand hat sich hier auf eine Begegnung, auf ein Abenteuer eingelassen, dessen Folgen unabsehbar sind. Sie sind auch unausweichlich, und zwar deshalb, weil die Materie, die Erde als Mutter, von sich aus sich zu regen beginnt und der Mensch als ihr Sohn diese Regung begreift. Diese Regung und dieses Begreifen dürfen wir nicht in Ursache und Wirkung auflösen. Wir müssen es eher im spiegelbildlichen Nebeneinander als im zeitlichen Nacheinander sehen.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Bei einer Sintflut gewinnt die Unterhaltung über die Statik historischen Charakter; man muß sich jetzt mit der Nautik beschäftigen.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Auch am Materialismus ist zu unterscheiden zwischen seiner sichtbaren und seiner unsichtbaren Macht, zwischen seiner Oberflächen- und seiner Grundströmung, zwischen der Art, in der er durch Menschen vertreten und begründet wird, und seinem schicksalhaften Zug. Die große Gewalt, mit der er auf dem Erdkreis »mit dem Hammer« die alten Gesetze bricht, deutet auf einen stärkeren Auftrag als den rationalen hin. Daraus eben erklärt sich, daß er mit stets wachsender Gewalt seinen Siegeszug fortsetzt, obwohl die Theorien, die ihn vertreten, so oft und so gründlich durch glänzende konservative Geister widerlegt worden sind. Aber widerlegt man denn ein Erdbeben? Eher baut man die Städte um. Hier wiederholt sich das Schauspiel, daß der Geist, und insbesondere der gebildete Geist, eine Veränderung deshalb unterschätzt, weil sie nicht in seine Kategorien paßt. Aber er kann nicht durchdringen, weil die Kategorien selbst, etwa seine Kultur oder sein Geschichtsbild, erschüttert sind. Nun greifen die bewährten Mittel nicht mehr. So sah der Mandarin die weißen Teufel in den Häfen landen, so sah dergebildete Grieche die ersten Christen, das Zeichen des Fisches, an.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Mit Recht hat man im Rationalismus von jeher die zerstörende Hauptmacht gesehen. Er wirft die Flutwelle mit dem leuchtenden Kamm, der kein Gebäude standhält und in der sich Aufklärung und Wissen vereinigen. Von hier aus wird der erste Angriff geführt, der innere Leere schafft und der Entzauberung, Entweihung, Entheiligung bringt. Er kann aber nicht aus sich wirken, sondern nur nach erfüllter Zeit, sowohl abräumend wie voreilend. Die Aufklärung eilt wie eine Luftwelle dem Materialismus voran, bewegt Danton wie Friedrich, zerstört die feineren Gefüge; die sichtbaren Gebäude stürzen nach. Es ist nur der erste Streich, der… das Standbild des Königs trifft. Die anderen fallen auf den Marmorblock. Wenn wir heute die herrschende Lehre als Materialismus bezeichnen, so drückt sich darin aus, daß die Aufklärung im großen und ganzen ihre Rolle beendet hat. Sie spielt sie auf Randflächen, in »un- und unterentwickelten Gebieten« in Form blitzschneller Abräumungen fort. Das ist nicht nur ein Zeichen vorgeschrittener Zeit und der Schwerkraft von Großräumen, sondern an sich und in sich gesteigerter und ununterbrochen sich steigernder Macht, von Erdmacht schlechthin. Der Materialismus ist Gürtel und Gorgonenhaupt des Arbeiters. Die mythischen Bilder sind am Platze; keine historische Macht kann der Erdmacht standhalten.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„In einem Hause, das für tausend Jahr gebaut wird, herrscht größere Sicherheit als in einem anderen, das kaum ein kurzes Menschenalter währt. Da sind Türme und starke Gerüste; die Zeit läuft dort langsamer. Man hat es wieder gesehen. Und wo die Zeit bewegt wird, wo sie, wie an der Zeitmauer, brandet, werfen sich die Menschen in den Glauben wie auf ein Rettungsfloß. Ob den Kirchen damit gedient ist, bleibt eine andere Frage; zu ihrem Verdienst gehört es auf jeden Fall, auch wenn diese neuen Gläubigen nicht für sie in die Arena treten wie Polykarp.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Der Mensch kann nicht darüber entscheiden, was an archaischer und mythischer Substanz, wohl aber darüber, was an geschichtlich-humanem Erbe mitgenommen wird. Hier spricht Bewußtsein mit, und damit Verantwortung. Das kann auch Reinigung bedeuten, indem es zugleich möglich erscheint, daß historisch-politische Elemente der Selektion zum Opfer fallen und als überwunden zurückbleiben, vielleicht sogar der Staat. Darin vollzieht sich mehr und Schmerzhafteres als im bloßen Wechsel moralischer Anschauungen, wie ihn die Panik erzeugt. Sie ist kein Zoll für den Eintritt in die transhistorische Welt.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist
„Wir sahen, daß von Willensfreiheit nur auf einer schmalen Kuppe gesprochen werden kann. Doch gerade hier wird entschieden, was unentbehrlich ist bei der Verwandlung, wertvoller als Leben, und nicht geopfert werden darf. Solange in dieser Hinsicht Zweifel herrschen, aber auch solange sie noch nicht geherrscht haben, sind wir noch innerhalb der nihilistischen Passage, diesseits der Linie.“Ernst Jünger (1895–1998) deutscher Schriftsteller und Publizist