„Um es vorwegzunehmen: Jene dargelegte 'kultische Dominanz' der Frau ist kein Matriarchat oder Feminat gewesen; zu der Sozialstruktur, die wir heute 'Patriarchat' nennen, hat es niemals ein weibliches Pendant gegeben. [...] Nichtsdestoweniger sind einige der Befunde, worauf die alten Ethnologen und Soziologen (und Sozialisten) ihre falschen weltumspannenden Theoreme aufbauten, tatsächlich wahr und in der Realität bei einigen Naturvölkern heute noch vorfindbar, nur müssen sie besser gedeutet werden als vordem, nämlich objektiver. Und insofern sollte eher von maternalen denn von matriachalen Kulturelementen gesprochen werden, wenn man solch kulturell-soziale Zusammenhänge unter globalem Aspekt anspricht. [...]

Jedenfalls zählen zu den kulturellen Zügen, um die es hier geht, zusammengefaßt etwa folgende, die heute nurmehr selten irgendwo alle gleichzeitig auftreten:

In der Erbfolgereglung wird die mütterliche Linie gewählt, Kinder gehören stets zur Mutterseite. Eigentum, gelegentlich auch Rechte werden in der mütterlichen Linie vererbt (entweder von der Mutter auf die Tochter oder vom Mutterbruder auf den Schwestersohn). Es herrscht sog. matrilokale Wohnfolge, d. h. der Ehemann tritt in die Sippe der Frau ein und wohnt dort. Bei beiden Geschlechtern herrscht voreheliche sexuelle Ungebundenheit, bei den Mädchen weitgehende Freiheit in der Gattenwahl und große Selbständigkeit in der Ehe mit leichter Scheidungsmöglichkeit für die Frau. Die weibliche Stellung in Kult und Religion ist relevanter als die der Männer. Der biologische Vater gilt als mit seinen Kindern nicht verwandt; seine Stelle nimmt, was Erziehung und Fürsorge betrifft, der Mutterbruder ein: Er ist der soziale Vater für alle Kinder seiner Schwester, auch wenn diese von verschiedenen Vätern stammen. [...]

Das ganze Denkmuster, das hier nur extrem knapp umrissen wird, gibt im Grunde keinen Hinweis darauf, daß die betreffenden Menschen die Zusammenhänge zwischen Zeugung und Geburt gekannt hätten.“

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„Der Vater der weiblichen Eitelkeit ist der eitle Mann.“

—  Manfred Hinrich deutscher Philosoph, Kinderliederautor, Journalist und Aphoristiker 1926 - 2015

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„Die Dankbarkeit gegenüber den Vätern geht auf das Kind über.“

—  Claudian spätantiker Dichter 370 - 404
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Citát „Mein Vater ist ein großes Kind, das ich bekommen habe, als ich noch ganz klein war.“
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„Ein Vater muß auch ein Kind versorgen können. Natürlich!“

—  Gun Jacobson schwedische Schriftstellerin 1930 - 1996
Peters Baby. München, 1971. S. 27. ISBN 3-570-07682-2. Deutsch von Hans Joachim Maass

„Früher hatten Eltern etwa vier Kinder. Heute haben Kinder etwa vier Eltern.“

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„Tod und Schlaf sind Kinder von zwei Vätern und einer guten Mutter.“

—  Theodor Gottlieb von Hippel deutscher Staatsmann, Schriftsteller und Sozialkritiker 1741 - 1796
Lebensläufe nach aufsteigender Linie. In: Sämmtliche Werke, Band 3: Meines Lebenslaufs 3. Teil, Band 1. Berlin: Reimer, 1828. S. 127 Google Books

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„Das ist ein weiser Vater, der sein eigenes Kind kennt.“

—  William Shakespeare englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler 1564 - 1616

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